2. Tag Sliema und Valletta

Am Morgen bin ich erst mal zum Reiseleiter gegangen, damit dieser sich die Daten für meinen Rückflug notieren konnte. An einem von ihm feilgebotenen organisierten Ausflug war ich sowieso nicht interessiert. Also habe ich mich dort nicht lange aufgehalten und bin in Sliema zum Felsstrand marschiert, um mich dort erst mal von der Sonne verwöhnen zu lassen. Nach ca. einer Stunde überlegte ich, ob ich mit meinem Schnupfen und Husten schwimmen gehen sollte oder nicht. In Sliema gelangt man vom Felsstrand über Leitern ins Wasser. Der Felsstrand ist nicht so einladend, dass man dort einen ganzen Tag verbringen würde, aber um ein kurzes Bad zu nehmen, bevor man sich etwas auf der Insel anschaut, ist es ideal. Ich sollte aber gar nicht zum Schwimmen kommen, denn plötzlich fragte mich ein älterer maltesischer Herr, ob ich ihm die Uhrzeit sagen könne. Das tat ich auch und sofort entwickelte sich ein Gespräch, bei dem ich gleich feststellen konnte, dass meine Englischkenntnisse nicht völlig eingerostet waren. Er fragte, ob er sich zu mir setzen könne und erzählte von seinem Beruf, der wohl mit der Arbeit bei einem hiesigen Sozial- oder Wohnungsamt vergleichbar sein muss. Und während er so über die Drogenpolitik Maltas und die maltesische Jugend, die in der Schule nicht mehr richtig lesen und schreiben lernen würde, plauderte, stellte ich fest, dass er mittlerweile gefährlich nah an mein Handtuch gerückt war bzw. schon fast drauf saß. Mir war es sicherer, mich von ihm zu verabschieden, zumal ich sowieso noch nach Valletta fahren wollte. Als ich ging, hat er mir noch einen schönen Tag gewünscht und es war kein Problem für mich zu gehen. Keine Ahnung, vielleicht war ihm nur langweilig. In jedem Fall kann ich aber sagen, dass die Malteser sonst ein sehr freundliches Volk sind und nicht aufdringlich, auch die Verkäufer nicht. Ich habe mich auf der Insel auch nie unsicher gefühlt.

Jedenfalls machte ich mich auf in Richtung Bushaltestelle und musste bei dem dortigen Linksverkehr erst mal überlegen, an welche Straßenseite ich mich überhaupt stelle. Es empfiehlt sich, beim Einsteigen in den Bus Münzen bereitzuhalten. In jedem Fall geben die Busfahrer auf Scheine nicht heraus. Recht schnell kam auch ein Bus (im Übrigen musste ich nie sehr lange warten, die Busse fahren häufig) und los ging die Fahrt nach Valletta. Der Bus war ein typisch Maltesischer, ausgestattet mit Heiligenbildern, allem möglichem Krimskrams und uralt. Wenn der Fahrer geschaltet hat, kitzelte es unter meinen Füßen. Um meine Sicherheit machte ich mir aber nicht die geringsten Sorgen, denn man konnte auf einem Schild den Spruch „In God we trust“ lesen. Man fährt dort also mit viel Gottvertrauen, was meistens zu funktionieren scheint. Auf einem Schild daneben teilte der Busfahrer noch ganz nebenbei mit, dass er Telefonkarten aller Art sammelt und bedankte sich im voraus. Einige Busse fahren bereits seit 40 oder 50 Jahren über die Insel mit all ihren Schlaglöchern. Wenn man aussteigen möchte, zieht man an einer unter der Decke befindlichen Schnur, was zur Folge hat, dass vorne im Bus eine Klingel betätigt wird, das signalisiert dem Busfahrer, dass jemand aussteigen möchte. Das mit dem Aussteigen kann zum Problem werden, wenn der Bus vollbesetzt ist (und das ist meistens so), denn es gibt nur einen Ein- bzw. Ausstieg, zu dem man sich dann durchwurschteln muss.

Die Busse halten direkt vor den Toren Vallettas am Triton Fountain. Vom Bus Terminal hatte ich erst mal einen sehr chaotischen Eindruck, der sich aber schnell legte. Wenn man durch das Stadttor nach Valletta hineingeht, hält man sich am bestens hinter dem Tor gleich rechts. Dort befindet sich die Tourist Information, bei der Busfahrpläne erhältlich sind. Es ist sehr empfehlenswert, sich dort einen zu besorgen. Das tat ich dann auch und dann bin ich erst einmal vorbei an der Auberge de Castille (heutiger Regierungssitz des Präsidenten) zu den Upper Barracca Gardens gelaufen. Von dort hat man einen grandiosen Blick über den Grand Harbour hinüber zu den drei Städten Vittoriosa, Senglea und Cospicua. Nachdem ich Fotos gemacht habe, habe ich mir dort am Kiosk ein Kinnie gegönnt und es mir auf einer Bank gemütlich gemacht. Kaum zu glauben, wie viele Reisegruppen in der kurzen Zeit dort vorbeimarschiert kamen. Organisierte Ausflüge kann man sich auf der Insel meiner Meinung nach sparen, da man alles alleine mit dem Bus erledigen kann. Mir taten diese Touris fast richtig leid, die nur zehn Minuten Zeit hatten, um den Ausblick zu genießen, Fotos zu machen, aufs Klo zu gehen und sich etwas zu trinken zu kaufen.

Ich bin dann weiter durch Valletta marschiert, ohne ein ganz konkretes Ziel zu haben. Mir fiel auf, dass die Stadt am frühen Nachmittag sehr voll war. Zum Abend verschwinden die Touristen wieder und dann werden in der Hauptstadt sozusagen die Bürgersteige hochgeklappt. Die vielen Sehenswürdigkeiten, wie z.B. den Großmeisterpalast, führe ich jetzt hier nicht auf. Ich denke, die Reiseführer beschreiben das professioneller als ich. Was mich aber beeindruckt hat, waren die Kirchen. Eigentlich bin ich keine begeisterte Kirchenbesucherin, aber auf Malta war das irgendwie anders, nicht nur in Valletta. Einfach faszinierend auf der kleinen Insel. Die tiefe Gläubigkeit (95% der Bevölkerung sind katholisch) zeigt sich in den Bauten sehr deutlich. An diesem Nachmittag bin ich mehrere Stunden durch Valletta gelaufen und bald taten mir auch die Füße weh. Das liegt wohl an den Straßen und Gassen, in denen es ständig bergauf und bergab geht. Ich hätte mir andere Schuhe anziehen sollen.

So langsam musste ich mich auch wieder auf den Rückweg machen. Denn an diesem Abend war ich am Hotel mit meiner Arbeitskollegin und ihrem Mann zum Essen verabredet. Zufällig hatten die beiden auch eine Reise dorthin gebucht und unser Aufenthalt überschnitt sich um ein paar Tage. Die Urlaubsbekanntschaften waren auch dabei und wir gingen in das Restaurant Il Merill in Sliema. Leider weiß ich die Straße nicht mehr, in jedem Fall liegt das Restaurant in einer Querstraße von The Strand (bzw. Triq Il-Xatt), an der Ecke befindet sich ein Stromkasten, der mir wegen seiner „Standhaftigkeit“ auf herausgebrochenen Steinplatten besonders auffiel. Das Restaurant war urgemütlich, schien ein Familienbetrieb zu sein und das Essen war einfach nur lecker. Ich habe Lampuki (Fisch, maltesische Art) gegessen, mir läuft jetzt noch das Wasser im Mund zusammen. Lampuki ist ein Fisch, der nur im September und Oktober durch maltesische Gewässer schwimmt. Dazu gab es eine Soße aus Tomaten, Paprika und milden Kapern. Insgesamt war der Abend gelungen und ich freute mich schon auf den nächsten Tag, der ein besonderes Ereignis war.