6. Tag: noch mal Ghajn Tuffieha

Als ich an diesem Morgen aufwachte, war strahlender Sonnenschein. Ich war zunächst etwas unentschlossen, was ich an diesem Tag machen würde. Nach langem Hin- und herüberlegen, entschloss ich mich, noch mal an die Ghajn Tuffieha zu fahren. (Übersetzt heißt Ghajn Tuffieha übrigens Augapfelbucht!) Schließlich würde es das letzte Mal sein, dass ich in diesem Jahr baden könnte. Also habe ich mir meine Badesachen geschnappt und bin wieder in den Bus gestiegen. Diesmal war ich die einzige, die an der Ghajn Tuffieha aus dem überfüllten Bus ausstieg, und in einigen Gesichtern anderer Fahrgäste konnte ich Verwunderung feststellen, wie man denn nur hier aussteigen kann. Ich kannte mich ja schon aus, hüpfte die Treppe herunter, kaufte mir an der Bude ein Kinnie und ließ mich auf meinem Badetuch nieder. Heute waren mindestens 20 Menschen an der Bucht, immer noch relativ wenige. Da es windig war, schwappten heute Wellen ans Ufer. Gestern war das Meer ruhig. Das Baden war heute daher eine besondere Freude, da ich es liebe, mich einfach nur in die Wellen zu werfen.

Nachdem einige Zeit vergangen war, wurde es allmählich immer windiger und windiger und damit immer schwieriger, in meinem Buch zu lesen und der Sand flog so umher, dass er überall klebte. Zudem sah man schon seit einiger Zeit kein Schiff mehr vorbeifahren. Ich musste an Tanja und Gerhild denken, die in einer Tagestour heute mit dem Schiff um Malta herumfahren wollten. Hoffentlich wurden sie nicht seekrank.

Nachdem ich mehrere Stunden ausgeharrt hatte, packte ich meine Sachen zusammen und machte mich auf den Rückweg. So hatte ich dann noch Zeit, in Sliema ein bisschen zu shoppen. Als ich wieder die lange Treppe hochging und etwas außer Atem oben ankam, stand dort ein Mann. Er schien Malteser zu sein und ich schätzte ihn auf Ende sechzig. Er sprach mich an und ich konnte ihn nicht gleich verstehen, da er ein nur schwer verständliches Englisch sprach. Er redete von einem Felsen in der nächsten Bucht (ich vermute, er meinte die Gjnejna Bay). Ehe ich mich versah, nahm er meine Hand und tat so als würde er etwas darin lesen können. Dann meinte er, es würde Menschen geben, die sich nur etwas wünschen bräuchten und dann würde der Wunsch schon in Erfüllung gehen. Er vermutete dann, ich würde zu diesen glücklichen Menschen gehören. Wenn nicht ständig Leute an uns vorbeigekommen wären, hätte ich mich von diesem dubiosen Menschen längst verabschiedet, aber so war ich dann doch neugierig, was noch so passieren würde. Er hielt dann meine Hand und schlenkerte meinen Arm hin und her, das Gleiche machte er mit dem anderen Arm und gab dazu Kommentare ab wie „Oh, very good extension“. Dann drückte er mir noch mit dem Daumen in den Nacken und meinte, dass ich total verspannt sei. Ich fragte ihn, ob er Arzt sei, denn die Griffe fühlten sich irgendwie fachmännisch an. Wahrscheinlich habe ich die Prozedur auch deshalb über mich ergehen lassen. Er antwortete, dass er früher als Physiotherapeut gearbeitet habe und fing sodann an, mir mitzuteilen, dass ich bestimmt eine Massage nötig hätte. Nun wusste ich auch, warum neben ihm eine große Tasche stand. Vermutlich wollte er sich mit Massagen etwas dazuverdienen. Ich bekundete aber kein Interesse und sagte ihm, dass ich nun gehen müsse. Er fing dann wieder an von der anderen Bucht zu reden und diesem tollen Wunschfelsen. Wenn ich den Felsen anfassen würde, gingen alle meine Wünsche in Erfüllung. Als er sich dann auch noch anbot, mit mir dort rüberzugehen, war es höchste Zeit, mich aus dem Staub zu machen. Irgendwie war die Situation total skurril. Würde mich in Deutschland jemand anfassen ohne vorher zu fragen, hätte sich derjenige wohl schnell eine eingefangen.

Die Rückfahrt mit dem Bus war nicht ganz so amüsant wie gestern, denn eine deutsche Schulklasse hatte irgendwie Probleme sich angemessen zu verhalten.

In Sliema bin ich dann noch durch die Geschäfte gegangen. Wenn man nicht aufpasst, ist man dort schnell Geld los. In einem Seifengeschäft habe ich mich etwas länger aufgehalten, denn dort gab es Seifenstücke, die gar nicht danach aussahen, sondern eher nach Schimmelkäse oder einem Tortenstück. Sliema hat noch eine Menge anderer interessanter Geschäfte.

Abends habe ich mich wieder mit Tanja, Gerhild und Andrea getroffen. Tanja und Gerhild berichteten von ihrer Schiffsfahrt. Wegen des starken Windes fuhr ihr Schiff nicht an der Südküste entlang, sodass sie z.B. die Dingli Cliffs nicht sehen konnten. Dafür ging es wohl an der Nordküste hin und her und nach Gozo. Gefallen hat es den beiden trotzdem. Gerhild und ich waren an diesem Tag besonders gut gelaunt, weil wir vom Reiseleiter erfuhren, dass unser Rückflug von früh morgens auf abends 19.00 Uhr verschoben wurde. Hurra, fast noch ein zusätzlicher Urlaubstag! Heute Abend hatte wir übrigens inzwischen fast alle Bier- und Weinsorten durchprobiert.