7. Tag: Valletta und Tarxien

Heute wollte ich unbedingt noch mal Valletta erkunden und ein bisschen shoppen. Also machte ich mich nach dem Frühstück zur Bushaltestelle auf und genoss die Busfahrt. Als ich am Bus Terminal ausstieg, fiel mir auf, dass ich meinen Fotoapparat vergessen hatte. Ich Dummerchen! Es war Samstag und die Stadt kam mir noch voller vor als beim letzten Besuch. Neben all den Sehenswürdigkeiten fand ich es wieder einfach nur schön, durch die Straßen zu schlendern. Diese Stadt ist wie aus einem Guss erbaut. Nach der großen Belagerung der Türken von 1565 waren die gekrönten Häupter Europas, z.B. die protestantische Königin Englands, Elisabeth I., sehr erleichtert darüber, dass der Johanniterorden den Islam in den östlichen Mittelmeerraum zurückgedrängt hatte. Sie spendeten daher große Geldbeträge, von denen innerhalb von nur zehn Jahren die neue Hauptstadt Valletta erbaut wurde. Valletta war eine der ersten Städte, die sozusagen vom Reißbrett geplant wurde und verdankt ihren Namen dem Großmeister Jean Parisot de la Vallette, der gegen die Türken mit seienen Rittern gekämpft hatte.

Nach der Besichtigung der prunkvollen St.Johns Co-Cathredral sah ich, wie sich vor der Kirche Kinder zum Fototermin postiert hatten. Sie hatten alle schicke Kleider an, die wie Trachten wirkten. Bei genauerem Hinsehen sah ich, dass die Kinder (überwiegend Mädchen) Schärpen trugen, die darauf hinwiesen, dass sie alle junge Missen waren. Miss Malta war mit einem Krönchen auch anwesend. Es gab auch eine Mini Miss und einen Mini Mister. Dem Mini Mister hatte man eine Reuse in die Hand gedrückt, die er gerade so über dem Boden halten konnte. Er war aber offensichtlich sehr stolz auf den Plastikfisch, der sich darin befand. Nachdem ich mich dann durch den überfüllten Markt gewuselt hatte, wollte ich erst mal etwas Ruhe haben und ging zu den Lower Barracca Gardens, wo ich es mir mit einem Kinnie gemütlich machte. Mein weiterer Weg führte mich dann an der Malta Experience vorbei. Dies ist eine Multivisionsshow (auch in deutscher Sprache), die einen Einblick in die Geschichte Maltas vermittelt. Ein Besuch dort empfiehlt sich zu Beginn des Aufenthaltes, da man dort viele Anregungen zur Urlaubsgestaltung erhält, zumindest dann, wenn man sich für Geschichte interessiert. Egal, ich war schon mal da, also habe ich wieder kehrt gemacht und habe mir die Show eben einfach zum Abschied angesehen. Es hat sich gelohnt, denn die Show war interessant gestaltet, kostete allerdings 3 LM. Nach der Show kam ich an einem kleinen Schmuckgeschäft vorbei, wo man bei der Schmuckherstellung zusehen konnte. Ich konnte es mir nicht verkneifen, mir zwei Paar silberne Ohrringe zu kaufen.

Irgendwie hatte ich jetzt genug von Valletta und so entschloss ich mich kurzfristig, nach Tarxien zu fahren. Also lief ich zum Bus Terminal und suchte den Bus Nr. 27, der in Richtung Marsaxlokk fahren sollte. Die Suche nach dem Bus gestaltete sich etwas schwierig, denn es gab nur die Linie 127. Meine Nachfrage beim Busfahrer, ob er Richtung Marsoxlokk führe, blieb leider ohne Antwort. Da er aber meine Münzen entgegen nahm, dachte ich, dass ich hier vielleicht richtig sei und suchte mir einen Sitzplatz. Ich wusste zwar, dass ich irgendwo in Paola aussteigen müsste, aber nicht genau wo. Zum Glück habe ich dann im letzten Moment ein Hinweisschild entdeckt und so habe ich schnell im Bus die „Reißleine“ gezogen, um an der nächsten Haltestelle auszusteigen.

Nach ca. 5 Minuten Fußweg kam ich bei den Tempelanlagen an, die mitten im Ort liegen. Ich kann mich nicht mehr so ganz genau erinnern, aber ich glaube, der Eintritt kostete 1 LM. Es war ziemlich leer und so konnte ich mich ungehindert umsehen. Diese Tempelanlagen gehören zu den Bedeutendsten der Insel und stammen aus der megalithischen Zeit ca. 3000 bis 2500 v. Chr. Der Tempel von Tarxien wurde zufällig entdeckt, als ein Bauer sich über die vielen Steine auf seinem Feld beklagte und so ein Archäologe aufmerksam wurde. 1914 wurde der Tempel freigelegt. Er besteht aus vier verschiedenen Komplexen mit Mauern aus riesigen Steinquadern. Einer der interessantesten Funde dort ist die „fette Frau“, von der die Beine und ein Teil des Rumpfes erhalten geblieben sind. Man schätzt, dass sie etwa 2,50 m hoch gewesen sein muss und eine Fruchtbarkeitsgöttin darstellte. Bewundert habe ich auch die in die Wände eingemeißelten Tierdarstellungen und Spiralornamente. Ich war wütend auf mich selbst, weil ich heute meinen Fotoapparat vergessen habe und nahm mir vor, beim nächsten Malta-Urlaub das archäologische Museum in Valletta zu besuchen. Ein Museumsbesuch vorab hätte mir sicher zu einem besseren Verständnis verholfen. Ich machte mich auf den Rückweg nach Sliema und als ich dort ankam, fing es an zu regnen. Es schüttete so heftig, dass binnen kürzester Zeit die Straßen so unter Wasser standen, dass man kaum laufen konnte. Zum Glück war ich schnell im Hotel. Abends war dann wieder das Vier-Damen-Treffen angesagt und wir beschlossen, am nächsten Tag gemeinsam nach Marsaxlokk zu fahren.